Frust und Lust

Dies ist ein Artikel von campusrauschen vom 02.02 2017.

Beim Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät der TU Dresden blickt man mit Unbehagen auf die studentische Beteiligung. Doch diesen Pessimismus teilt man nicht überall.

Kein freier Platz, nirgends. Der Raum ist berstend voll. Der Geräuschpegel so hoch, dass man schreien müsste. Die Zahl der Mate-Flaschen übersteigt die der Wasserflaschen um Längen. Klingt nach Wohnzimmerparty — und ist etwas komplett anderes. Hier, im Raum 122 des Seminargebäudes 1 der TU Dresden, wird der Ernst des studentischen Lebens verhandelt: Es ist die Sitzung des Fachschaftsrates der Philosophischen Fakultät, kurz und bündig FSR Phil.

Stolze 23 Fachschafsräte gibt es an der TU Dresden — sie alle eint ihr Ziel: die Interessen der Studenten vertreten. So entsenden sie beispielsweise Studenten in höhere Gremien wie die Fachstudienkommissionen, die unter anderem Vorschläge für die Studien- und Prüfungsordnungen machen. Oder in Institutsräte, wo alle für das Institut wichtigen Entscheidungen getroffen werden, zum Beispiel zur Änderung von Lehrveranstaltungen. Doch FSRs wollen den Studenten auch ganz einfach das Leben leichter machen — Stichwort Erstiwoche.

Allein: Die Sache hat einen Haken. Den Studenten liegt nicht allzu viel an ihrer Interessenvertretung. Als die Fachschaftsräte im November gewählt wurden, lag die Wahlbeteiligung für die Philosophische Fakultät unter dem Durchschnitt aller Fachschaftsräte von immerhin 23,61 Prozent: Nur 13,1 Prozent der Studentenschaft gingen zur Urne. Macht Platz 22 von 23. Und das, obwohl es zur Belohnung Kekse gab. Studenten zum Wählen zu bewegen ist schwer. Studenten dazu zu bewegen, sich wählen zu lassen, ist schwieriger: 20 Bewerber für 20 Plätze. Glück gehabt. „Wir hatten auch schon weniger Bewerber als Plätze“, sagt Thea Stapelfeld, die im fünften Bachelorsemester Politikwissenschaft studiert und jetzt, in ihrer zweiten Legislatur im FSR Phil, dessen Sprecherin ist.

Dabei mangelt es gerade an der Philosophischen Fakultät nicht an Problemen. Die Studenten werden „systematisch benachteiligt“, meint Thea Stapelfeld. Sie spricht von der Bereichsbildung, also der Zusammenlegung von Fakultäten, die zum Abbau ganzer Institute zu führen drohe. Viel zu intransparent sei die, viel zu schlecht kommuniziert: „Da wird kaum über Vor- und Nachteile diskutiert.“
Paolo Le Van, assoziiertes — also nicht gewähltes — FSR-Mitglied und Philosophiestudent im fünften Mastersemester, fällt ihr fast ins Wort: Auch bei der Exzellenzinitiative sei die Philosophische Fakultät „überhaupt nicht berücksichtigt“ worden. Man merkt: Da ist Verdruss, da ist Wut.

Doch offenbar teilen die Studentenvertreter diese Gefühle nicht mit der Studentenschaft. Für die meisten sei Hochschulpolitik erst dann interessant, wenn sie direkt selber betroffen sind, meint Paolo Le Van. So wie bei dem drohenden Wegfall der Überlaststellen Ende 2016 — doch auch dann laute ihre Frage nicht: „Was kann man gegen Stellenkürzungen tun?“ Sondern: „Wie kriege ich meine Prüfungsleistungen noch zu Ende?“ Statt dem Gesamtproblem zähle nur das eigene Studium.

Dem würde Robert Schlick wohl widersprechen. Er ist Mitglied des FSR Hydrowissenschaften und studiert im dritten Mastersemester, genau, Hydrowissenschaften. Er glaubt nicht, dass es am Desinteresse hapert — sondern am Unwissen. Aber genau dagegen sei der FSR doch das beste Mittel. „Die Studierenden kommen bei uns mit hochschulpolitischen Themen in Kontakt. Und ihre Resonanz ist wirklich positiv.“ Das gilt nicht nur für die Veranstaltungen des FSR Hydro: Die Wahlbeteiligung lag mit 36,91 Prozent weit höher als die beim FSR Phil.

Auch dort sieht man in den Studenten keine desinteressierten Egoisten. Gerade der kurze Bachelor mache die Arbeit im FSR nicht attraktiver. Im ersten Jahr hat man andere Probleme, im zweiten will man vielleicht ins Ausland, im dritten das Studium zu Ende bringen. „Man hat überhaupt keine Möglichkeit mehr, sich länger zu engagieren“, findet Paolo Le Van, der allerdings selbst schon drei Jahre im FSR aktiv ist. Bologna ist nicht an allem schuld.

Was also tun gegen die Misere der studentischen Beteiligung? Wer das fragt, blickt in ratlose Gesichter. Ihnen selbst ist natürlich klar, warum sie im FSR sind: Weil sie nicht stillsitzen wollen. Sie wolle nicht nur zuschauen, wie die Philosophische Fakultät sich immer wieder behaupten müsse, sagt Thea Stapelfeld. Sondern die Stellschrauben finden, „um zumindest die richtigen Fragen zu stellen.“ Simon Hebebrand, der im ersten Semester Politikwissenschaft studiert, macht es kurz: „Ich wollte mich unbedingt politisch engagieren.“

Als wären es zwei Sphären: Studentenvertreter hier, normale Studenten dort. Hinzu kommen gerade beim FSR Phil strukturelle Hindernisse, vor allem die Breite der Fachschaft: Neun Institute vertreten die 20 gewählten Mitglieder, von der Politik- bis zur Musikwissenschaft. Viele FSRs hingegen vertreten nur eine Fachrichtung — so wie der FSR Hydrowissenschaften: Hydrowissenschaften ist Hydrowissenschaften bleibt Hydrowissenschaften. Keine Missverständnisse mit Lehramtsstudenten, die gar nicht wissen, zu welcher Fachschaft sie eigentlich gehören; Raumunion von FSR und Studenten im Chemiegebäude statt Pendelei zwischen Hörsaalzentrum und Falkenbrunnen. Durch die breite Aufstellung hat der FSR Phil aber nicht nur Koordinationsprobleme. Er muss auch in mehr Institutsräten und Berufungskommissionen Posten besetzen —  jedoch: „Es gibt einfach zu wenig Bewerber für zu viele Posten“, meint Paolo Le Van. In der Folge sitzen die FSR-Mitglieder in mehreren Gremien, müssen auf allen Festen gleichzeitig tanzen. Und ganz nebenbei, ergänzt Thea Stapelfeld, studieren sie ja auch noch. Zum Vorbereiten der Sitzungen fehle dann oft die Zeit. „Aber erst, wenn man mehr Ahnung hat, kann man die richtigen Fragen stellen.“

Insgesamt sei die Arbeit „zermürbend“, meint Thea Stapelfeld. Und doch ist die Stimmung während der Sitzung locker, es wird viel gelacht und auch mal zehn Minuten über das neue Sofa im FSR-Büro diskutiert — um dann nahtlos zum Bericht des letzten Fakultätsrates überzugehen. „Wir gehen viele Sachen an“, findet Thea Stapelfeld. „Der FSR Phil ist ein guter FSR.“ Sie ist sich mit den anderen einig: Kein Engagement ist auch keine Lösung.

Text: Luise Martha Anter

Foto: Amac Garbe

Stellungnahme des STURA zur Bereichsbildung

Folgender Stellungnahme zur Bereichsbildung vom StuRa TU Dresden schließen wir uns an und teilen sie daher mit euch:

Neue Governance an Hochschulen führt zum Abbau von demokratischen Strukturen – Bereichsvollversammlung Geistes- und Sozialwissenschaften

Am 01. Februar hat die Bereichsvollversammlung des im Rahmen der Exzellenzinitiative neu gegründeten Bereichs Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) stattgefunden. Ziel der Bereichsbildung ist die Nutzung von Synergieeffekten in Forschung, Lehre und Verwaltung sowie die Stärkung der Governance der TU Dresden durch Zusammenlegung von Fakultäten.

Im Rahmen der Vollversammlung wurde die Zielvereinbarung des Bereichs mit dem Rektorat debattiert. Elementares Anliegen der Zielvereinbarung ist die Überführung des Bereichs GSW
von einem Bereich Typ 1 zu einem Bereich Typ 2. Durch die Umwandlung des Bereichstyps werden Rechte und Pflichten der Fakultäten in Bereichsstrukturen überführt. „Die Kommunikation mit dem Bereich findet aktuell nur über die Dekane statt. Durch diese indirekte Beteiligung gehen viele Informationen und Gestaltungsmöglichkeiten verloren. Wir fordern eine direkte Einbindung der Studierenden und anderer Statusgruppen in die entscheidungsberechtigten Gremien des Bereichs.“, erklärt Henriette Mehn, Sprecherin des Fachschaftsrats Allgemeinbildende Schulen.

Für den Bereich Typ 2 wird die Beteiligung der Studierenden zwar versprochen, aber an der Ausarbeitung dieser Umstrukturierung wird ausschließlich das Bereichskollegium – bestehend aus den Dekanen des Bereichs – beteiligt. Laut vorgestriger Aussage des Bereichssprechers Prof. Dr. Christian Prunitsch ist die Repräsentation aller Statusgruppen bei der Ausarbeitung des Bereichs Typ 2 durch die Dekane im Bereichskollegium sichergestellt, da diese in den Fakultätsräten von allen Statusgruppen gewählt werden. Die Entscheidungsgewalt liegt letztlich bei den Fakultätsräten. „In der Realität bedeutet dies, dass nach mehrmonatiger Verhandlungsphase der Dekane eine Beschlussvorlage für die Struktur des Bereichs Typ 2 in die
Fakultätsräte gereicht wird. Diese wird durch einen künstlich erzeugten Zeitdruck ohne größere Debatte durchgewunken werden, da die Studierenden nur eine engagierte Minderheit in den Fakultätsräten darstellen. Um diesem Vorgehen vorzugreifen, fordern die Studierenden eine umfassende und sofortige Beteiligung an der Ausarbeitung des Bereichs Typ 2.“, so Matthias Lüth, Referent im Studentenrat der TU Dresden.

Der neue FSRphil auf Wanderschaft…

Der neue FSRphil hat sich bereits im letzten Jahr konstituiert und war vom 6. bis zum 7. Januar im schönen Plauen auf Klausurtagung.
Dort wurden Pläne geschmiedet, Ziele gesetzt, die hochschulpolitischen Strukturen an der TU Dresden und sich gegenseitig besser kennengelernt. Gemeinsam haben wir viel vor in dieser Legislatur!

Bald stellen wir uns auch hier alle vor, damit ihr uns kennenlernt und ihr wisst, wer euch vertritt.

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+++IB & PoWi-Studis für Berufungskommission gesucht+++

Am Institut für Politik wird der Lehrstuhl für „Internationale Politik“ neu besetzt. Dafür wird eine Berufungskommission einberufen zu der wir als FSRphil zwei Studierende entsenden dürfen. Dazu sitzt man mit Dozierenden an einem Tisch, diskutiert mit ihnen und vertritt studentische Interessen.  Allerdings muss man einiges an Zeit einplanen, da man Bewerbungsunterlagen durchlesen wird und unter anderem bei öffentlichen Vorlesungen und Bewerbungsgesprächen anwesend sein muss. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe mit viel Arbeit.

Wenn ihr Lust habt bei einer Berufungskommission mitzuarbeiten und vielleicht sogar schon Erfahrung in Gremien habt, dann kommt nächste Woche Montag, den 21.11., 18.30 Uhr zu unserer Sitzung und stellt euch vor! Falls ihr da keine Zeit habt, dann schickt bitte bis Montag, den 21.11.,  17.30 Uhr eine Mail, in der ihr kurz eure Motivation und mögliche Qualifikationen erläutert, an hallo@fsrphil.de.

Uniwahlen – Wahlen der Studierendenschaft 2016 (22. bis 24. November)

+++ Update 14.11. – Wahlheft mit allen Kandidierenden ist online+++
Ab sofort könnt ihr euch einen genaueren Überblick über unsere Kandidierenden im extra für euch erstellten Wahlheft machen. Viel Spaß damit!

Wahlheft 2016

+++ Setzt eure Kreuze! +++
Vom 22. bis 24. November könnt ihr jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr im Hörsaalzentrum (HSZ) eure Kreuze setzen, um die Studierendenvertretung eurer Fachschaft, die der Philosophischen Fakultät, zu wählen. Also kommt zu uns an den Wahlstand, setzt eure Keuze und redet mit uns über die Belange an unserer Fakultät.

Hier findet ihr die Übersicht der zugelassenen Wahlbewerber 2016 der Fachschaft der Philosophische Fakultät:

1. Simon Hebebrand (Bachelor Politikwissenschaft/1. Semester)
2. Felix Becker (Bachelor Soziologie/1. Semester)
3. Katharina Stefanie Lerch (Diplom Soziologie/5. Semester)
4. Nicolas Allié (Bachelor Politikwissenschaft/5. Semester)
5. Jonas Schmid (Bachelor Politikwissenschaft/7. Semester)
6. Konstantin Henß (Bachelor Politikwissenschaft/1. Semester)
7. Lorenz Czapowski (Bachelor Medienforschung, Medienpraxis/1. Semester)
8. Jessica-Marie Richter (Bachelor Philosophie/1. Semester)
9. Paul Grohmann (Bachelor Soziologie/5. Semester)
10. Falk Wellendorf (Bachelor Medienforschung, Medienpraxis/5. Semester)
11. Alex Kremer (Bachelor Philosophie/1. Semester)
12. Denise Klüber (Bachelor Politikwissenschaft/3. Semester)
13. Hannah Grimmer (Diplom Soziologie/3. Semester)
14. Thu Hang Vu (Bachelor Medienforschung, Medienpraxis/3. Semester)
15. Annett Petzold (Diplom Soziologie/9. Semester)
16. Nelly Saibel (Bachelor Politikwissenschaft, Bachelor Germanistik/2. Semester)
17. Thea Stapelfeld (Bachelor Politikwissenschaft/5. Semester)
18. Arlett Mielisch (Bachelor Geschichte/11. Semester)
19. Aileen Arnstadt (Bachelor Katholische Theologie/3. Semester)
20. Laura Heinecke (Bachelor Kunstgeschichte/1. Semester)

Die Wahlvorschläge für die Wahl des Fakultätsrates der Philosophischen Fakuität sowie die Wahlvorschläge für den Senat und den erweiterten Senat findet ihr unter stura.tu-dresden.de/webfm_send/2300

+++ Zur Durchführung der Wahlen brauchen wir eure Hilfe! +++
Zur Durchführung der dreitägigen Wahl, brauchen wir noch Unterstützung. Wenn ihr also an einem der drei Tage mal eine oder mehrere Freistunden nutzen wollt, dann helft uns doch am Wahlstand oder Donnerstag beim auszählen. Solltet ihr interesse haben, dann meldet euch doch bitte unter hallo@fsrphil.de.

 

+++ Kommt auf die dunkle Seite, wir haben Kekse! +++

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Bis Dienstag 15.30 Uhr könnt ihr euch bei uns im Büro noch für die Wahl des Fachschaftsrates aufstellen lassen (im Stura bis 16.00 Uhr). Damit ihr nicht auf die kurze Sprechstunde angewiesen seid, haben wir euch ausreichend Formulare vor dem Büro angebracht.
Also auf gehts, Zettel nehmen, Vorder- sowie Rückseite ausfüllen, ab in den Briefkasten damit und sich auf die Kekse freuen. Wir werden die Dunkelheit in euch schon wecken!
Wir sind gespannt auf euch und die Wahl.

+++ Kommt in den Fachschaftsrat / Wahlen der Studierendenschaft 2016 +++

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Die Hochschulpolitik braucht frisches Fleisch und vor allem neuen Wind! Wenn ihr also Lust auf Engagement für die Fachschaft Philosophie habt, die Uni und alles was damit zu tun hat besser kennenlernen wollt, dann lasst euch für den Fachschaftsrat aufstellen.
Bis zum 1. November habt ihr dafür Zeit. Ihr könnt euch dazu direkt in unseren Sprechstunden beraten und aufstellen lassen oder ihr reicht euren Wahlvorschlag selbst beim StuRa ein – die Formulare findet ihr unter stura.tu-dresden.de/wahlen.
Wenn ihr euch ein Bild von unserer Arbeit machen und euch schonmal vorstellen wollt, dann kommt doch am besten zu unserer heutigen Sitzung ab 18.30 Uhr im Raum 122 des Seminargebäudes 2.